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Claudia Sobrero ist eine fünfzigjährige Argentinierin. 30 Jahre ihres Lebens verbrachte sie hinter Gittern, im Frauenknast von Ezeiza. Dies ist ein Rekord in der Gefängnisgeschichte des Landes. Sie wurde 1984 festgenommen, als sie gerade einmal 21 Jahre alt war und wurde wegen Beihilfe zu Totschlag, Raub und Diebstahl zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Damals sagte man ihr, sie würde erst tot wieder das Gefängnis verlassen. Heute ist sie am Leben und frei.

Am Tag ihrer Freilassung regnete es in Strömen. Claudia war das egal, denn sie war überglücklich, dem verhassten Gefängnis endlich den Rücken kehren zu können. Ihrer Erfahrung nach dienen Haftanstalten nur vordergründig der Rehabilitation.

In Wahrheit könne man Menschen, die nie Teil der Gesellschaft waren, nicht einfach resozialisieren. Der Knast sei für nichts gut, so die Argentinierin. Man könne diese Hölle nur durch innere Kraft überstehen.

Während ihrer langen Haftstrafe sah sie die Straßen der Stadt nur zwei Mal: Als sie floh und im Rahmen ihrer bedingten Entlassung. Sie musste unter der Brücke schlafen, ohne Nahrung und ohne Medikamente gegen das HI-Virus, mit dem sie durch die Nachlässigkeit einer Krankenschwester im Gefängnis angesteckt worden war. In beiden Fällen sperrte man sie jedoch wieder ein.

Ihr Fall wurde durch die Dokumentation „Claudia“ von Marcel Gonnet aus dem Jahr 2010 bekannt. In diesem Film erzählt sie ihre Lebensgeschichte, um das Stigma von Menschen im Gefängnis etwas abzumildern.

Claudias Verzweiflung ging so weit, dass sie sogar einen Brief an den ehemaligen argentinischen Präsidenten Fernando De La Rúa schickte, in dem sie ihn um die Todesstrafe bat, weil sie das Leben im Gefängnis nicht mehr ertragen konnte.

Heute hat sie die hohen Mauern der Haftanstalt hinter sich gelassen und kann endlich nach vorne blicken, studieren und arbeiten.

Diese Menschen gingen für 60 Tage sogar freiwillig ins Gefängnis!