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Charles Gurmukh Sobhraj wurde in Saigon, Vietnam, geboren, das zu dieser Zeit unter französischer Herrschaft stand. Er beanspruchte später die französische Staatsbürgerschaft. Seine unverheiratete Mutter war Vietnamesin und sein Vater war aus Mumbai. Er verließ die Familie kurz nach Sobhrajs Geburt.

Sobhraj wurde vom neuen Freund seiner Mutter, einem in Saigon stationierten französischen Leutnant, adoptiert. Das Paar heiratete und die Familie zog nach Marseille, Frankreich, legte den Wohnort aber auch immer wieder zurück nach Asien.

 

DIE VERBRECHEN

1960, im Alter von 16 Jahren, begann Sobhraj zu stehlen und landete 1963 erstmals wegen eines Einbruchs im Gefängnis. Er wurde zu drei Jahren Haft in Poissy in der Nähe von Paris verurteilt. In der Zeit hinter Gittern begann Sobhraj, seine Manipulationsfähigkeiten zu verfeinern.

Als Sobhraj 1969 auf Bewährung entlassen wurde, zog er zu Felix d'Escogne, einem Mann, den er im Gefängnis kennengelernt hatte. Während dieser Zeit traf er eine junge Dame, Chantal, aus einer konservativen Pariser Familie, und sie verliebten sich ineinander.

In der Nacht, in der Sobhraj Chantal einen Heiratsantrag machte, wurde er verhaftet, weil er vor der Polizei in einem gestohlenen Auto geflohen war. Wieder kam er für acht Monate ins Poissy-Gefängnis. Chantal wartete auf ihn – nach seiner Freilassung heirateten die beiden. Sie wurde schwanger, doch das Paar sorgte sich, dass die französischen Behörden Sobhraj im Visier hatten. Deshalb beschlossen sie nach Asien zu gehen und so begannen sie mit gefälschten Reisedokumenten durch Osteuropa zu reisen. Sie würden sich mit Mitreisenden anfreunden und ihnen dann ihre Wertsachen rauben.

1970 kam das Paar in Bombay, Indien, an, wo Chantal ihre Tochter zur Welt brachte. Hier ließen sie sich nieder, um ihrem Kind eine stabile Umgebung zu bieten. Allerdings hatte sich Sobhraj wieder der Kriminalität zugewandt und betrieb ein Autodiebstahl- und Schmuggelunternehmen. Anstatt die Gewinne für seine Familie auszugeben, steckte er sie ins Glücksspiel.

Im Dezember 1971 floh das Paar nach Kabul, Afghanistan, wo sie eine ganze Weile im Intercontinental Hotel wohnten, offenbar ohne je die Rechnung zu bezahlen. Hier knüpfte Sobhraj Kontakte und stieg in den illegalen Waffenschmuggel ein. Er transportierte die Waffen auf dem Landweg von Afghanistan aus nach Indien. Sobhraj zog weiter nach Pakistan, wo er in Rawalpindi ein Auto stahl, indem er den Fahrer unter Drogen setzte, der an einer Vergiftung starb. Um diese Zeit soll er auch einen Laden in Bangkok betrieben haben, um ausländische Touristen abzulocken. Er betäubte sie manchmal bis sie starben und stahl ihre Habseligkeiten.

1973 verübte Sobhraj einen bewaffneten Raubüberfall in einem Juweliergeschäft in Delhi, wurde jedoch festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. Nach vierzehn Tagen im Knast täuschte Sobhraj eine Blinddarmentzündung vor und konnte während eines Stromausfalls verschwinden. Sobhraj und Chantal flohen, aber Sobhraj wurde bald gefasst und wieder ins Gefängnis gesteckt. Wieder frei auf Kaution, ging das Paar von Indien zurück nach Afghanistan.

Sie ließen sich in Kabul nieder, wo sie damit begannen, Touristen auszurauben, die dem „Hippiepfad“ zwischen Europa und Ostasien folgten. Erneut verhaftet, entkam Sobhraj erneut, indem er eine Krankheit vortäuschte und den Krankenhauswärter unter Drogen setzte. Diesmal ließ er seine Familie zurück und floh in den Iran.

Müde von dem unsteten Leben ihres Ehemanns, kehrte Chantal mit ihrer Tochter nach Frankreich zurück. In den nächsten zwei Jahren war Sobhraj auf der Flucht vor den Behörden und reiste durch Osteuropa und den Nahen Osten, immer mit gestohlenen Pässen. Sein jüngerer Bruder André schloss sich ihm in Istanbul an und die beiden gingen in Griechenland und in der Türkei auf Verbrechenstour. Die Brüder wurden in Athen verhaftet, aber Sobhraj gelang erneut die Flucht.

1975 zog Sobhraj nach Thailand und wurde Drogendealer. Er wollte eine Art kriminelle Familie gründen. Seine erste Anhängerin war Marie-Andreé Leclerc aus Quebec, Kanada. Sie fiel auf seinen Charme herein. Sobhrajs Plan so vor, seine Opfer in eine schwierige Situation bringen und sich dann als Ritter in glänzender Rüstung auszugeben, der das Problem lösen würde. Seine Opfer hätten keine Ahnung, dass Sobhraj die Ursache ihres Elends war.

Mit seinem fließenden Französisch sprach er vor allem französische Touristen an. Sobhraj stahl ehemaligen französischen Polizisten die Pässe und half dann den Männern, sie wiederzubekommen.

Sobhraj und seine „Familie“ wohnten in einem Resort in der Strandstadt Pattaya, wo Sobhraj einen weiteren Kriminellen, Ajay Chowdhury, traf. Der junge Inder wurde Sobhrajs Stellvertreter und die beiden begannen 1975 ihren Amoklauf. Viele ihrer Opfer waren Teil der "Familie" und es ist möglich, dass sie getötet wurden, um sie daran zu hindern, zu den Behörden zu gehen.

 

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Mordserie

Das erste bekannte Opfer war Teresa Knowlton, eine junge Frau aus Seattle, die aus Bangkok angereist war und auf dem Weg nach Kathmandu war, wo sie im Kloster Kopan den tibetischen Buddhismus studieren wollte. Sie traf Sobhraj, der angeblich anbot, ihr Führer zu sein und sie nach Pattaya Beach zu bringen – dort wurde ihre Leiche später verbrannt aufgefunden.

Jennie Bollivar, eine junge Frau aus Amerika, war nach Thailand gereist, um zu meditieren und den buddhistischen Lebensstil kennenzulernen. Als sie Sobhraj traf, versuchte er sie davon zu überzeugen, sich seiner „Familie“ anzuschließen, aber sie lehnte ab. Bollivars Leiche fand man in einem Gezeitenbecken im Golf von Thailand in der Nähe der Stadt Pattaya. Sie trug einen Bikini mit Blumenmuster. Das nächste Opfer war Vitali Hakim. Seine Leiche wurde verbrannt auf der Straße zum Resort in Pattaya gefunden, wo die „Familie“ wohnte.

Henk Bintanja, 29, und seine Verlobte Cornelia Hemker, 25, waren niederländische Studenten, die Sobhraj in Hongkong kennengelernt hatten. Er hatte sie nach Thailand eingeladen und sie nahmen sein Angebot an. Als sie ankamen, vergiftete Sobhraj sie und pflegte sie dann wieder gesund. Die Leichen der beiden wurden am 16. Dezember 1975 erdrosselt und verbrannt aufgefunden.

Während dieser Zeit kam Charmayne Carrou bei der Familie an – die Freundin von Sobhrajs früherem Opfer Hakim, um sein Verschwinden zu untersuchen. Carrous Leiche wurde – auch in einem Bikini mit Blumenmuster – aufgefunden. Zuerst verbanden die Ermittler die beiden Fälle nicht miteinander, aber als sie es taten, wurde Sobhraj als „The Bikini Killer“ bekannt.

Sobhraj beschloss, dass es an der Zeit war, erneut umzuziehen. Am 18. Dezember 1975 benutzten er und Leclerc die niederländischen Pässe von Bintanja und Hemker, um nach Nepal einzureisen. Hier trafen sie zwei Reisende, Laurent Ormond Carriere, 26, aus Kanada und Connie Bronzich, 29, aus Kalifornien, mit denen sie sich anfreundeten. Carriere und Bronzich wurden ermordet und ihre verbrannten Leichen am 22. Dezember 1975 gefunden. Sobhraj wurde wegen des Doppelmordes von der Polizei in Kathmandu verhört, doch wieder laufen gelassen

Sobhraj und Leclerc gingen nach Thailand zurück, doch Sobhraj floh weiter nach Kalkutta, Indien, wo er einen israelischen Studenten, Avoni Jacob, für seinen Pass ermordete. Zurück in Thailand, wurde er von der Polizei gefasst und wegen der „Bikini-Morde“ erneut verhört, aber nicht angeklagt. Sobhraj verließ Thailand sofort in Richtung Malaysia.

Herman Knippenberg, ein Diplomat der niederländischen Botschaft, untersuchte die Morde an Bintanja und Hemker. Sobhraj war sein Hauptverdächtiger. Knippenberg begann, ein Verfahren gegen ihn aufzubauen. Einen Monat, nachdem Sobhraj Thailand verlassen hatte, erhielt Knippenberg die polizeiliche Erlaubnis, Sobhrajs Wohnung zu durchsuchen. Er entdeckte Beweise, darunter Dokumente der Mordopfer und mit Gift versetzte Medikamente.

Währenddessen stahl Sobhraj in Malaysia s kostbare Edelsteine im Wert von Tausenden von Euro. Kurz darauf verschwand sein Partner Chowdhury – er wurde nie wieder gesehen. Gemeinsam mit Leclerc reiste Sobhraj nach Genf, um seine gestohlenen Juwelen zu verkaufen, bevor es nach Indien zurückkehrte, um die „kriminelle Familie“ wieder aufzubauen.

Sobhrajs neue Rekruten waren zwei Touristen, Barbara Sheryl Smith und Mary Ellen Eather, die er in Mumbai getroffen hatte. Sobhraj freundete sich mit dem französischen Touristen Jean-Luc Solomon an, den er in einem Hotel in Süd-Delhi vergiftete, mit der Absicht, ihn auszurauben.

Im Juli 1976 gelang es Sobhraj, Leclerc, Smith und Eather in Neu-Delhi, eine Gruppe französischer Studenten dazu zu bringen, sie als Reiseführer zu wählen. Wieder einmal benutzte Sobhraj seine vergiftete Medizin, aber diesmal schlug sie fehl, weil das Gift viel schneller zu wirken begann, als er erwartet hatte. Als die ersten Schüler sich nicht mehr auf den eigenen Beinen halten konnten, wurden die anderen alarmiert und riefen die Polizei. Sobhraj und seine Komplizen wurden festgenommen und verhört. Sobhraj wurde des Mordes an Jean-Luc Solomon angeklagt und zusammen mit Leclerc, Smith und Eather in das berüchtigte Tihar-Gefängnis außerhalb von Neu-Delhi gebracht, um auf den Prozess zu warten. Die Bedingungen in Tihar waren sehr hart – sowohl Smith als auch Eath versuchten sich in der Zeit das Leben zu nehmen.

 

Im Gefängnis

Trotz der harten Bedingungen in Tihar gelang es Sobhraj, ein gemächliches Gefängnisleben zu führen, Beamte zu bestechen, zu bedrohen und zu erpressen, um zu bekommen, was er wollte. Er genoss guten Wein, Gourmetessen, hatte Zugang zu einem Fernseher, einer Schreibmaschine, einem Kühlschrank, einer großen Bibliothek und sogar Drogen, wobei ihm Mithäftlinge offenbar den Spitznamen „Sir Sobhraj“ gaben.

1977 erließ Thailand einen 20-jährigen Haftbefehl gegen Sobhraj wegen Verbrechen, die er auf thailändischem Boden begangen hatte. Vor seiner Auslieferung nach Thailand musste er aber noch eine 12-jährige Freiheitsstrafe in Indien absitzen. Da in Thailand ziemlich sicher die Todesstrafe auf ihn gewartet hätte, Auslieferungsbefehle in Thailand aber nach 20 Jahren auslaufen, schmiedete er einen cleveren Plan.

 

Die Flucht

1986, Sobhrajs zehntes Jahr im Tihar-Gefängnis, heckte er einen Fluchtplan aus. Der 16. März 1986 war ein sorgfältig gewähltes Datum für Sobhrajs Flucht. Es war ein Sonntag, nur ein Notpersonal war nachmittags im Dienst. Zur Feier seines bevorstehenden Geburtstages bestellte Sobhraj Süßigkeiten für das Gefängnispersonal, das die Tore bewachte. Er hatte die Süßigkeiten mit Drogen versetzt. Als die Wachen zusammenbrachen, nahm er einfach ihre Schlüssel und ließ sich raus.

Drei Wochen nach seiner Flucht wurde Sobhraj aufgespürt und nach Neu-Delhi zurückgebracht. Er bekam die Höchststrafe von 10 Jahren – genau wie er gehofft hatte. Schließlich wurde maximale Sicherheit verhängt und Sobhraj wurde in Tihar mit Handschellen und Fußfesseln in einer isolierten Zelle festgehalten. Im Laufe der Jahre wurde die Sicherheitsstufe gelockert und Sobhraj durfte sich mit anderen Gefangenen treffen. Er begann, sich mit westlichen Journalisten anzufreunden, die verzweifelt an seiner Geschichte interessiert waren. Sobhraj verkaufte seine Interviews für bis zu 2.500 Euro an die Medien und sprach offen über die Morde, ohne sie tatsächlich zuzugeben.

 

Freilassung und erneute Verhaftung

Mehr als 20 Jahre, nachdem er zum ersten Mal wegen Mordes inhaftiert worden war, wurde Sobhraj am 17. Februar 1997 im Alter von 52 Jahren gegen Kaution aus dem Tihar-Gefängnis entlassen. Eine weitere Gerichtsverhandlung sollte darüber entscheiden, was nun mit ihm passieren solle. Sein Plan war aber aufgegangen: Der Auslieferungsbefehl an Thailand war nach den über 20 Jahren bereits abgelaufen.

Die indische Regierung beschloss, Sobhraj nach Frankreich abzuschieben, da er in Vietnam geboren wurde, als es unter französischer Herrschaft stand. Am 8. April 1997, zwei Tage nach seinem 53. Geburtstag, wurde Sobhraj in Begleitung von zwei Beamten der Ausländerbehörde nach Frankreich abgeschoben. Sobhraj war zu einer Medienberühmtheit geworden, und die Presse drängte sich am Flughafen Charles De Gaulle und wartete auf seine Ankunft.

2003 kehrte Sobhraj überraschend nach Nepal zurück, wo noch ein offener Haftbefehl gegen ihn existierte. Ein Journalist erkannte ihn und er wurde verhaftet.

Am 20. August 2004 wurde Sobhraj vor dem Bezirksgericht von Kathmandu der Morde an Laurent Carriere und Connie Bronzich im Jahr 1975 für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein wesentlicher Teil der Beweise in diesem Fall wurde von Interpol und dem niederländischen Ermittler Knippenberg geliefert, der fast 30 Jahre lang Beweismaterial gegen Sobhraj gesammelt hatte.

Es ist völlig unklar, warum Sobhraj nach Nepal zurückgekehrt war – einige behaupten, es sei pure Arroganz in Verbindung mit seinem ständigen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit gewesen. Noch heute sitzt er seine Haftstrafe ab.

 

Serienmörder

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