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Foto © The Independent / Wikimedia

Fred West wurde am 29. September 1941 im britischen Much Marcle geboren. In späteren Jahren behauptete er, seine Eltern hätten ihn bereits im frühen Teenageralter zu sexuellen Handlungen gezwungen. Für diese Behauptungen gibt es keine belegbaren Nachweise.

Er verließ die Schule ohne Abschluss. 1961 beschuldigte ihn seine damals 13-jährige Schwester Kitty, sie über Monate hinweg vergewaltigt zu haben. West legte ein Geständnis ab und gab dabei an, er habe Ähnliches „seit Jahren“ auch mit anderen Mädchen getan. Vor Gericht stellte sich seine Mutter zunächst schützend vor ihn; nachdem die Anklage jedoch fallengelassen wurde, brach die Familie den Kontakt zu ihm ab.
 

Ehe mit Catherine „Rena“ Costello

Als Jugendlicher lernte West die schottische Diebin Catherine Bernadette „Rena“ Costello kennen. Das Paar heiratete im November 1962. Das erste Kind stammte aus einem Seitensprung Renas; 1964 wurde die gemeinsame Tochter Anna Marie geboren.

Rena soll mit der Mutterrolle überfordert gewesen sein. West behauptete, er habe helfen wollen, indem er für die Kinder eine Art provisorischen „Käfig“ bzw. eine restriktive Schlafkonstruktion baute: Wenn er im Haus war, mussten die Kinder in einem engen Zwischenraum eines Hochbetts bleiben.
 

Jobverlust, Absturz und zunehmende Gewalt

Nachdem West als Eisverkäufer mit seinem Wagen ein Kind überfuhr, verlor er seine Arbeit. Weil das Geld fehlte, zog die Familie mit den Kindern in einen Trailerpark.

Die Ehe war von Affären auf beiden Seiten geprägt. Rena traf sich wiederholt mit einem Mann, von dem Fred wusste. Aus der Dreieckskonstellation entwickelte sich ein Klima aus Eifersucht, Kontrolle und Gewalt, das sich zunehmend gegen alle Beteiligten richtete.
 

Erste Tötungsdelikte und das Muster der Kontrolle

Als Rena mit den Kindern nach Glasgow gehen wollte und Fred dies nicht zuließ, reiste sie schließlich allein. In dieser Zeit lebte eine Freundin Renas, Anna McFall, bei Fred und kümmerte sich um die Kinder. West ging eine Beziehung mit ihr ein. Bevor Anna ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen konnte, brachte er sie im Juli 1967 um.

Auf Anna folgte als Kindermädchen Rosemary Letts (später bekannt als Rose West), die ebenfalls bald von West schwanger wurde. Die gemeinsame Tochter Heather wurde 1970 geboren. Während Fred West ein Jahr im Gefängnis verbrachte, wurde mutmaßlich Rosemary die Tötung von Freds Stieftochter Charmaine zugeschrieben (die Verantwortung ist in Darstellungen teils umstritten bzw. nicht in jedem Punkt eindeutig belegt).
 

Rückkehr Renas und Übergang zur Ehe mit Rosemary

Nach Wests Entlassung aus dem Gefängnis kehrte Rena überraschend zurück, um ihn zur Rede zu stellen. West ermordete sie und vergrub ihre Überreste.

Damit war der Weg frei für die nächste, prägende Phase seines Lebens – und für die später berüchtigte Tätergemeinschaft.

 

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Das „House of Horrors“: Ehe, Familie und sexualisierte Gewalt

Fred West und Rosemary Letts heirateten 1972. Die Familie erwarb ein Haus, das später als „House of Horrors“ bekannt wurde. Im Keller richteten die beiden einen Raum ein, der in Ermittlungen und Aussagen als Ort systematischer Gewalt beschrieben wurde.

In finanziellen Schwierigkeiten prostituierte sich Rosemary. Gleichzeitig entwickelte sich innerhalb der Beziehung ein Dynamikmix aus Sexualisierung, Macht, Dominanz und Gewalt. Das Paar lud immer wieder weitere Personen in sein Umfeld oder ins Haus ein. Parallel wuchsen die Sammlungen an Bondage-Utensilien und pornografischem Material. Während der Ehe bekam Rosemary mindestens acht Kinder.
 

Opfer, Alltagsterror und das Versagen von Kontrolle

Das Ehepaar folterte, vergewaltigte und ermordete zahlreiche junge Frauen und Mädchen, die sie unter anderem über eine vorgetäuschte Suche nach einem Kindermädchen in das Haus lockten – darunter auch die eigene Tochter Heather. Die Leichen versteckten sie, indem sie Überreste im Haus einmauerten oder im Garten vergruben.

Auch die eigenen Kinder lebten unter einem strengen Regime aus Regeln, Pflichten und Angst. Wurden Vorgaben nicht eingehalten, kam es zu massiver körperlicher Gewalt, besonders durch Rosemary. Trotz zahlreicher Krankenhausbesuche der Kinder wegen Verletzungen kam es lange Zeit zu keinem konsequenten Eingreifen, das die familiäre Gewaltspirale gestoppt hätte. Selbst Fred West wurde Berichten zufolge wiederholt Ziel von Rosemarys Wutausbrüchen.
 

Ermittlungen, Prozess und Urteile

1992 wurde Fred West nach der Vergewaltigung eines Mädchens inhaftiert. Eine zentrale Zeugin im späteren Verfahren war das Kindermädchen Caroline. Anfangs war den Ermittlern das gesamte Ausmaß nicht klar, doch nach und nach verdichteten sich Hinweise auf eine lange Serie schwerster Verbrechen.

1994 wurde Rosemary West überführt. In der Folge wurde das Haus und Grundstück über neun Monate hinweg systematisch durchsucht: Es wurde gegraben, freigelegt und baulich untersucht, um Beweise und sterbliche Überreste zu sichern.

Noch vor Abschluss des Verfahrens gegen ihn – Fred West war wegen zwölffachen Mordes angeklagt – nahm er sich in der Haft das Leben. Rosemary West wurde des zehnfachen Mordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Prozess versuchte sie, die Verantwortung vor allem dem bereits toten Ehemann zuzuschieben. Gleichzeitig wurden erschütternde Details über die Gewalt innerhalb der Familie und über die Vorgehensweise bei den Taten bekannt. Bis heute wird vermutet, dass es weitere, nicht abschließend identifizierte Opfer des Ehepaars gegeben haben könnte.
 

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